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08.09.2010  
   

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Mit effizienter Instandhaltung hohe Verfügbarkeit von Lackieranlagen gewährleisten

Die Auswahl sinnvoller, vorbeugender Strategien reduziert Ausfall- sowie Folgekosten und erhöht die Betriebssicherheit maßgeblich

Mit leistungsfähigen Instandhaltungssystemen können Betreiber von Lackieranlagen die Lebensdauer ihrer Anlagen und Geräte erhöhen und optimal nutzen. Die Betriebssicherheit steigt und eine voraus schauende Planung von Kosten ist möglich.

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Hinsichtlich der Instandhaltung stehen u.a. die quantitative und qualitative technische Anlagenverfügbarkeit im Vordergrund.
(Quelle: Heimer)
Durch die zunehmende Automatisierung und Verkettung der Anlagen haben sich die Anforderungen hinsichtlich des Leistungsumfangs, der Qualität und der Kosten nachhaltig verändert. Diese Entwicklung hat vielfach zu einer Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Anlagen geführt; zugleich stiegen aber auch die Risiken im Hinblick auf einen Ausfall der Anlagen und dessen Folgekosten. Allein das Bemühen, Instandhaltungs-Budgets pauschal und undifferenziert zu kürzen – auch wenn sich dies hinter Kostensenkungs-Programmen oder Ähnlichem verbirgt – wird den veränderten Anforderungen nicht gerecht. Erst eine differenzierte Betrachtung der Einflussfaktoren, welche die Nutzungsdauer der Anlage bestimmt, verschafft dem Management die Möglichkeit, das wirtschaftliche Nutzungspotenzial zu bestimmen, Strategien entsprechend der Nutzungs-Intensität zu entwickeln sowie gezielt Reinvestitions­politik zu betreiben. Hinsichtlich der Ziele der ­Instandhaltung stehen die quantitative und qualitative technische Anlagenverfügbarkeit sowie niedrige Instandhaltungskosten im Vordergrund. Maßgeblich für die Instandhaltungsstrategie eines Unternehmens kann immer nur eine ­Instandhaltungspolitik sein, die alle Betriebsmittel der Fertigungsbereiche in ihren Betrachtungsumfang zieht.

Theoretische Strategien

Theoretische Extrem-Strategien sind die intensive und extensive Instandhaltung. Intensiv bedeutet in diesem Zusammenhang eine Reparatur-Minimierung durch eine vorbeugende, voraus schauende, gründliche Wartung der Betriebsmittel, so dass die Reparaturerfordernisse extrem klein werden. Die extensive Strate- gie verzichtet komplett auf Wartung, so dass die Instandhaltung zu einer reinen Reparatur-Aufgabe wird. Der Lackieranlagenbetreiber wird aufgrund betriebswirtschaftlicher und planerischer Gesichtspunkte eine passende Strategie auswählen, die zwischen diesen Extremen angesiedelt ist.

Unterstützende Analyse

Kennzahlen, Kennzahlensysteme und sonstige Analyse-Instrumente (Schwachstellen- Analysen, Stärken- Schwächen-Analysen) können Instandhalter und Management unterstützen. Kennzahlen sowie Analyse-­In­strumente müssen auf Zeit angelegt sein. Sie sollen Trends anzeigen und als Steuerungsinstrument dienen. Lackieranlagenbetreiber können umfangreiche Maßnahmen zur Senkung der Instandhaltungskosten nutzen. Im Wesentlichen geht es um die Prüfung folgender Fragen:
  • Ist eine Beschränkung auf wenige Herstellerfabrikate möglich, ohne den technischen Fortschritt zu gefährden?
  • Kann durch vermehrte Inanspruchnahme von Fremd-Instandhaltern ein Ausgleich von Beschäftigungsspitzen erzielt werden?
  • Sind bei teuren, unterbeschäftigten Spezialmaschinen Desinvestitionen möglich – bei gleichzeitiger Investition in Engpassbereichen? Sinnvoll sind daraufhin die Schaffung einer verantwortlichen Stelle zur technischen Maschinenabnahme sowie die Formulierung und Durchsetzung entsprechender struktur- und ablauforganisatorischer Regelungen.
  • Darüber hinaus stehen je nach Struktur des Lackierbetriebs u.a. folgende Kriterien zur Auswahl:
  • Instandhaltungswerkstätten als Profit-Center
  • Instandhaltung: zentral oder dezentral sowie
  • Wartungs- und Inspektionsorganisation als Bestandteil des QS-Systems


Kontakt:
Daimler AG, Stuttgart,
Thomas Scheurenbrand, Tel. +49 711 1726491,
thomas.scheurenbrand@gmx.de



i 3 FRAGEN AN ...

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Thomas Scheurenbrand
Thomas Scheurenbrand, als Bereichscontroller für die Instandhaltungsabteilung und die V-Motoren-Produktion der Daimler AG verantwortlich

Inwieweit lassen sich diese Strategien zur Optimierung der Instandhaltungskosten auf entsprechende Lackieranlagen übertragen?
Der Zusammenhang lässt sich am Beispiel eines Lackierroboters anhand des Deming-Rads (PDCA-Zyklus) erklären. Das Deming-Rad besteht aus vier Segmenten: P (Plan), D (Do), Check (Check) und Act (Action – bedeutet: neuer Standard). Bei P legt der Anlagenbetreiber fest, was und wie intensiv instandgehalten werden soll (Instandhaltungsstrategie). Er definiert Wartungspläne und Inspektionen (Zyklen), setzt Diagnosesysteme wie Thermokameras ein, um z.B. unzulässige Temperaturen an den Robotergelenken bzw. -achsen festzustellen, und führt ein technisches und Kosten-Con­trolling ein. Bei D soll die neu definierte Instandhaltungsstrategie „leben“, d.h. beispielsweise, dass jedes halbe Jahr die Temperatur der Gelenkarme mit einer Thermokamera dokumentiert wird. Bei Check führt man Schwachstellenanalysen durch (ABC-Analyse) zur Kostenüberwachung – z.B. in Form einer technischen Auswertung von Thermografie-Bildern im Vergleich zu den vorigen Messungen. Das gleiche gilt für die Kostentreiber. Erforderlich sind zudem regelmäßige Analysen und Berichte – insbesondere über Trends. Maßnahmen sind einzuleiten, umzusetzen und zu realisieren. Bei Act soll mit dem neuen Standard weitergearbeitet werden. Ganz im Sinne eines Regelkreises beginnt der Ablauf dann wieder bei P. Im Zuge eines Regelkreis­gedankens muss der jeweilige Standard immer wieder hinterfragt und optimiert werden – hinsichtlich der Anlagen­ver­fügbarkeit und des Kostenoptimums. Hier kann nicht gesagt werden, wo das Optimum liegt, man kann lediglich versuchen, die richtige Balance zu finden. Dies er­fordert ein engagiertes Instandhaltungsteam.

Mit welchen Maßnahmen können Lackieranlagenbetreiber Anlagenstillstände reduzieren? Generell durch intensivere Instandhaltung, d.h. es darf zu keinem Wartungsverzicht kommen. Es müssen Wartungspläne für zyklische Inspektionen und Wartungstätigkeiten angelegt werden. Durch Schwachstellenanalysen lassen sich die Macken der jeweiligen Maschinen und Anlagen ermitteln, analysieren und durch gezieltes Anlegen von Wartungs- und Inspektionsplänen sukzessive eindämmen bzw. ausschalten. Weitere Maßnahmen sind eine vorbeugende und voraus schauende Instandhaltung sowie Conditional Monitoring. Dies umfasst den Einsatz verschiedener Diagnosesysteme wie z.B.
  • Thermokameras
  • Prozessparameter-Diagnostik (Belastungs- und Beanspruchungs-Überwachung, wie auch die Überwachung des Anlauf- und Auslaufverhaltens)
  • Schallemissions-Analyse-Verfahren (Leckdetektion, Geräuschüberwachung)
  • Schwingungsdiagnostik-Verfahren (Messung von Wellenschwingungen)
  • Volumetrische Diagnostik-Verfahren (Ultraschall sowie Wirbelstrom)
Durch eine vorbeugende bzw. voraus schauende Instandhaltung kann eine hohe Anlagenverfügbarkeit gewährleistet werden. Aber: Eine 100%ige Anlagenverfügbarkeit gibt es nicht. Für das Management hat das Kostenoptimum mindestens die gleiche Priorität. Dies bedeutet, dass ein Kostenoptimum zu Lasten einer hohen Anlagenverfügbarkeit gehen kann.

Kann man derzeit einen Trend ‚länger bzw. intensiver instandhalten statt neu investieren‘ verzeichnen?
Für den Automobilsektor (Daimler AG) lässt sich tendenziell sagen: Es wird versucht (soweit es die technischen Vo­raussetzungen zulassen), Maschinen bzw. Anlagen für einen zweiten Produktionszyklus fit zu machen (Re-use). Oft besteht jedoch, durch andere Bauformen bedingt, keine Möglichkeit für einen Re-use. Hierfür werden Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen durchgeführt. Sollten diese zu einem positiven Ergebnis führen, spricht nichts dagegen, einen zweiten Produktionszyklus mit den Anlagen anzugehen. Wichtig und vor allem nicht zu unterschätzen ist, dass Maschinen dann tendenziell höhere Instandhaltungskosten verursachen. Desweiteren muss klar sein, dass man nicht auf Garantie, Gewährleistung sowie Kulanz zurückgreifen kann. Dies sind keine unerheblichen Kosteneinsparpotenziale. Eine Neuinvestition wird sicherlich leichter getätigt, wenn die Investitionskosten geringer sind. Bei hohen Investitionskosten wird man versuchen, die Anlagen länger und intensiver instandzuhalten. Aber auch die Life-Cycle-Kosten sollten nicht aus den Augen gelassen werden, da sehr oft nach fünf bis sechs Jahren die Instandhaltungskosten die Investitionskosten übersteigen. Insofern ist es schwierig, von einem Trend zu sprechen. Es muss individuell und von Fall zu Fall entschieden werden, was für das anstehende Projekt das Richtige ist.

i WEITERBILDUNG

Die Technische Akademie Wuppertal (TAW) bietet zum Thema Instandhaltung Seminare bis hin zu Lehrgängen zum Instandhaltungsmanager/in an. Der modulare Zertifikatslehrgang vermittelt Fach- und Führungskräften die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten, die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen effizient zu gestalten. Neben umfassendem technischen Fachwissen sind heute zunehmend Kenntnisse über betriebswirtschaftliche und rechtliche Aspekte sowie über moderne Führungs- und Organisationskonzepte verlangt. Darüber hinaus wird gezeigt, wie der Spagat zu schaffen ist, die Kosten zu senken, aber trotzdem die Verfügbarkeit der Anlagen aufrecht zu er­halten oder sogar noch weiter zu steigern.

Technische Akademie Wuppertal e.V.,
Jens Nordmann, Tel. +49 202 7495-251,
jens.nordmann@taw.de
www.taw.de






Veröffentlicht in besser lackieren! (Ausgabe 14/2010)
 

 
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